Hundertwassers Lebenstraum war es zu bauen. Es bedeutete für ihn, das Bedürfnis nach Schutz, nach Zuflucht, nach einer bergenden Höhle zu stillen. In seinen Architekturen setzte er der geometrisch geraden Linie die organische, vegetative, vegetabile Linie entgegen. Hundertwasser geißelte die Versklavung des Menschen durch das sterile Rastersystem der Architektur und durch die Serienfabrikation einer mechanisierten Industrie. Es ging ihm um ein Leben in Harmonie mit der Natur und um die individuelle Kreativität des Menschen. Er trat für eine natur- und menschengerechtere Architektur und für einen Friedensvertrag mit der Natur ein.
„Dein Fensterrecht Deine Baumpflicht“
Hundertwasser kämpfte gegen die Geometrie in der Architektur und für den Individualismus. Seit seinem „Verschimmelungsmanifest 1958 forderte er das Fensterrecht: „Ein Bewohner muss das Recht haben, sich aus seinem Fenster zu lehnen und außen an der Außenwand alles umzugestalten, wie es ihm entspricht, so weit sein Arm reicht, damit man von weitem, von der Straße sehen kann: Dort wohnt ein Mensch“.
Das Hundertwasser-Haus in Wien stellt die konsequente Umsetzung dieser Idee dar. Jede Wohneinheit hat eine eigene Farbe an der Außenfassade, außerdem ist das Fensterrecht im Mietvertrag verankert. Die Terrassen des Hundertwasser-Hauses sind bewaldet, damit ist auch die Baumpflicht erfüllt: Was waagrecht unter freiem Himmel ist, gehört der Natur.
Begrünte und begehbare Dächer
Die phantasievollen und farbenfrohen Häuser Hundertwassers zeichnen sich durch spezielle Formen aus. Sie tragen Namen wie "Augenschlitzhaus", "Rehrückenhaus", "Waldhofhaus" oder "Schneckenhaus". Ihre Dächer sind vollständig begrünt und begehbar.
"Durch die Wald- und Naturbedachung der Häuser wird der Wohn- und Lebensraum der Bewohner fast verdoppelt, weil das sonst sterile und tote Dach zur Aufenthaltswiese, zum Privatwald, zum Urlaubshügel, zur Aussichtsplattform, zum Park und Garten wird", erläuterte der Wiener Natur- und Architekturphilosoph einst seine Idee und fügte als grundsätzliche Überlegung hinzu: "Der Mensch muss auf den Dächern der Natur zurückgeben, was er ihr widerrechtlich unten beim Hausbau weggenommen hat.“
Ausstellungsort:
HOMMAGE Galerie & Museum
Friedensreich-Hundertwasser-Platz 2
29525 Uelzen
Telefon 0581-9487435